Die hebammengeleitete Geburtshilfe (BDH)

Die Geschichte der Geburtshilfe reicht weit in die frühe Menschheitsgeschichte zurück. Dem Ursprung nach ist Geburtshilfe eine solidarische Hilfe, die sich Frauen gegenseitig leisten.
Bereits im Alten Testament wird unterschieden zwischen Hebammen, die für die eigentlichen Geburten verantwortlich waren und Ärzten, die die Komplikationen nach der Geburt behandelten. Mitte des 20igsten Jahrhunderts gab es wohl den größten Wandel in der Geschichte der Geburtshilfe. Die Ursache dafür war die Verlagerung des Geburtsgeschehens in die Klinik und die Etablierung einer technisierten Geburtsmedizin.
Dadurch hat sich innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten die Hebammentätigkeit gravierend verändert.
Während der vergangenen Dekaden wurde ein engmaschiges Risikokonzept entwickelt, das Schwangerschaft und Geburt auf ein organmedizinisch riskantes Lebensereignis reduziert. Die Folge dieser medizinischen Sichtweise ist, dass Schwangerschaft und Geburt zu einem riskanten Ereignis erklärt wurden, das korrigierend und intervenierend durch die Medizin begleitet werden müsse. Hebammen widersetzen sich diesem Risikodenken und betrachten eine Geburt primär als ein normales und physiologisches Ereignis. Schwangere und gebärende Frauen sind extrem verletzlich. Was die Frauen bei einer Geburt am allermeisten brauchen, ist deshalb die Ermutigung und die liebevolle Bestätigung ihrer Fähigkeit normal gebären zu können und eine intensive partnerschaftliche Begleitung.
Die Hebammen des BDH ermutigen schwangere Frauen dazu, Vertrauen in den Geburtsprozess zu haben und mit dem Schmerz während der Geburt umgehen zu können. Bewusst erlebter und durchlebter Geburtsschmerz kann als Quelle elementarer Energie verstanden werden. Das Wissen, kritische Lebenssituationen gestalten und aushalten zu können, ist ein Erfahrungsmoment, das lebenslang große innere Kraft verleihen kann.
Damit sich Frauen nach der Geburt mit einem Gefühl des inneren Wachstums und einem Wissen um die eigene innere Stärke erleben können, bedarf es der Begleitung durch Hebammen.
Die heutigen Hebammen verstehen sich als Fürsprecherinnen der schwangeren und gebärenden Frauen und wollen deshalb autonomer in die Betreuung normaler Geburten eingebunden werden. Eine achtsame Begleitung durch Hebammen, vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit, ist ein gesellschaftlich relevanter Beitrag zur Frauen- und Familiengesundheit: Denn durch eine kompetente Hebammenbegleitung wird das zukünftige, gesundheitliche Wohlergehen von Mutter und Kind gestärkt.

Quelle : Bund Deutscher Hebammen e.V. (Link für weitere Informationen)

Geschichte (Wikipedia)

Das erste Hebammenlehrbuch wurde um 117 von einem gewissen Saoranos in Ephesos verfasst. Dieses Lehrbuch wurde um 220 vom griechischem Arzt Moschion erneut herausgegeben. Das wohl um die Mitte des 2. Jh. nach Chr. verfasste Protevangelium des Jakobus berichtet anlässlich der Geburt Jesu, dass eine der beiden anwesenden Hebammen, Salome, die Jungfräulichkeit Mariae überprüfen wollte, wobei ihre Hand verdorrte, aber bei der Berührung der Windeln Jesu wieder verheilte - ein Motiv, das auch in der Kunst dargestellt wurde, z.B. um 543/553 auf einem Elfenbeinrelief an der Maximians-Kathedra in Ravenna oder von Robert Campin um 1420/30 (Literatur: Marlies Buchholz: ‚’Anna selbdritt’’. Königstein i. Ts. 2005, S. 58-70).
Seit 1310 wird die Hebamme von der Kirche zur Taufe verpflichtet. 1452 wurde in Regensburg die erste Hebammenverordnung erlassen. 1491 folgte Ulmer Hebammenordnung, die eine Zulassung erst nach Prüfung ihrer Ausbildung und praktischen Kenntnisse durch Ärzte verlangt: "Die Hebammen sollen Armen und Reichen treu und fleißig beistehen; auch nach der Niederkunft sollen sie Mutter und Kind alle Sorgfalt widmen." Das bedeutendste Hebammenbuch des 17. Jahrhunderts wird 1690 von Justine Siegmund veröffentlicht und in mehreren Auflagen gedruckt. Der englische Arzt P. Chamberlan († 1631) erfand um 1600 die Geburtszange. Die Erfindung war ein Familiengeheimnis und wurde mit der Zeit vergessen. 1721 erfand der belgische Chirurg J. Palfyn (1650-1730) aus Gent die Geburtszange erneut.
1818 wird in Sachsen durch die erste Hebammenordnung das Hebammenwesen geregelt. Am 22. September 1890 fand der erste deutsche Hebammentag mit über 900 Frauen in Berlin statt. Hierbei ging es hauptsächlich um das Einkommen. Denn seitdem ab 1850 in Preußen für die Ärzte die Geburtshilfe ein Pflichtfach wurde, verdienten die Hebammen nur einen Hungerlohn. Auch forderte die Versammlung eine gründliche Desinfektion in Kreißsälen und Geburtszimmern. Kontaktinfektionen mit Bakterien durch die ungewaschenen Hände der Ärzte, die das gefährliche Kindbettfieber hervorrufen, wurden zwar schon 1846 durch Ignaz Semmelweis nachgewiesen, seine Erkenntnisse aber jahrzehntelang nicht anerkannt. Das Reichshebammengesetz von 1938 verfügt die staatliche Anerkennung der Hebammen und gibt - bedingt durch die nationalsozialistische Ideologie - der Hausentbindung den Vorzug. Daher kann man zwar davon ausgehen, dass die Nationalsozialistische Herrschaft die Hausgeburt popularisierte, hierfür sprachen zum damaligen Zeitpunkt allerdings andere Argumente als heute. Heutezutage wird der moderne Ausbildungsberuf Hebamme in Deutschland an 58 staatlich anerkannten Hebammenschulen gelehrt.

Quelle : Wikipedia (Link)